Kundenmagazine sind „was Handfestes für den Pausenmoment“

Im Gespräch mit Kommunikationsdesigner Jörg Preusser

Eine gute Text-Bild-Interaktion ist eines der Mantras unseres PR-Alltags. Das gilt für sämtliche Textformen: vom kurzen Social Media Post bis hin zu Artikeln für Corporate-Medien. Worauf kommt es beim Zusammenspiel der textlichen und grafischen Gestaltung beispielsweise von Kundenmagazinen an? Darüber sprachen wir mit Jörg Preusser, Diplom-Designer aus Köln.

VOCATO: Jörg, du bist seit über 25 Jahren als Kommunikationsdesigner im B2B-Bereich tätig und bietest deinen Kunden von der Beratung und Strategie bis zur Entwicklung von Grafikdesign-Produkten alles aus einer Hand. Wie haben sich die grafischen Anforderungen an Medien wie Kundenmagazinen in den Jahren gewandelt?

Jörg Preusser: Noch vor einigen Jahren waren Kundenmagazine eher ein Sprachrohr der Unternehmensleitung. Es galt, so viele Informationen wie möglich zu vermitteln und sich gut darzustellen. Darunter litt meist die Optik des Magazins, das dann auch häufig in der Schublade landete. Ist die Text-Bild-Interaktion gestört, kommuniziere ich an der Zielgruppe vorbei. Heute haben Inhalte und Bilder den gleichen Stellenwert in der Gestaltung eines Magazins.

Woran machst du das fest?

In der Konzeptphase eines Magazins wird definiert, wohin das Unternehmen kommunizieren möchte. Die Zielgruppe, intern oder extern, beeinflusst nicht nur die Inhalte, sondern auch die Bildauswahl enorm. Kommuniziere ich nach innen, wähle ich, je nach Branche natürlich, handwerkliche, authentische Bilder, mit denen sich die Leser identifizieren können. Zu einer externen Zielgruppe wie bei Kundenmagazinen passt ein eher plakatives Design. In beiden Fällen sollte die grafische Gestaltung kurzweilig sein und ohne Bleiwüsten aus Texten auskommen.

Was gibt es bei der Text-Bild-Planung eines Kundenmagazins noch zu beachten?

Die Struktur einer Ausgabe ist das A und O. Es braucht ein gutes Redaktionsteam, das eine Vorstellung von Textmenge hat und ein Gefühl für eine gute Text-Bild-Interaktion. Aussagekräftige Headlines geben mir als Grafiker eine Idee für die Bildauswahl, knackige Texte mehr Gestaltungsfreiraum im Rahmen der Vorgaben des jeweiligen Corporate Designs.

Welche Herausforderungen bringt die grafische Gestaltung mit sich?

Die grafische Gestaltung ist immer ein Spagat zwischen einem optisch ansprechenden Layout und den Anforderungen der Kunden. Wünschenswert ist viel, die Realität sieht häufig anders aus. Da braucht es meist auch etwas Mut von beiden Seiten; Mut zu mehr Weißflächen, Mut, Spannung über Farbe und Schärfe ins Layout zu bringen und Mut, über den Tellerrand hinaus zu denken. Es ist toll, wenn Kunden dabei mitziehen und ich Ideen umsetzen kann wie beispielsweise einen speziellen Bild-Rhythmus einzubringen. Das schlimmste, das beim Layout eines Kundenmagazins passieren kann, ist ein statisches Layout, wenn also eine Seite wie die andere aussieht.

Gedruckte Kundenmagazine waren schon totgesagt. Nun erleben sie eine Renaissance. Was spricht deiner Meinung nach für ein Print-Kundenmagazin, was dagegen?

Die Haptik eines gedruckten Kundenmagazins ist nicht zu unterschätzen; die Leute blättern gerne. Das schafft Identifikation und gibt dem Medium wie auch der Zielleserschaft eine andere Wertschätzung. Heute sind wir geflutet mit elektronischen Medien und Devices. Deshalb suchen wir etwas Handfestes für den Pausenmoment. Gleichzeitig sind die weiteren Nutzungsoptionen eines gedruckten Mediums begrenzt. Die digitale Variante hingegen bietet mehr interaktive Möglichkeiten und lässt sich über die Website, das Intranet oder per Mail leichter verbreiten. Entscheidend jedoch ist, dass die Art des Magazins zum Unternehmen passt. Und print schließt digital ja nicht aus.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person Jörg Preusser

Jörg Preusser, Jahrgang 1968, hat Kommunikationsdesign in Darmstadt studiert und sich nach vier Jahren in Festanstellung 2002 selbstständig gemacht. Seine Full-Service-Agentur „jpg. büro für kommunikationsdesign“ mit Sitz in Köln bietet neben Beratung, Strategie und Entwicklung von Grafikdesign-Produkten, zum Beispiel Print- und Webdesign, auch die Koordination mit Dienstleistern wie Textern, Lektoren, Fotografen oder Druckereien. Preusser betreut kleine und mittlere Unternehmen branchenübergreifend mit Schwerpunkt auf klassischer Unternehmenskommunikation, Corporate Finance, IT und Health Care. Weitere Informationen auf www.jpg-grafik.de

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