Über das Verheimlichen von Nachhaltigkeitszielen
Der Begriff „Greenwashing“ ist mittlerweile in aller Munde: Unternehmen stellen sich durch falsche Aussagen und irreführende Labels als nachhaltiger dar, als sie wirklich sind. Wird dies bekannt, hat es schwerwiegende Folgen: Das Vertrauen der Kunden in das Unternehmen geht verloren, und der Ruf ist auf Dauer geschädigt. Die Nachhaltigkeitskommunikation eines Unternehmens sollte deshalb stets transparent sein und vor allem der Wahrheit entsprechen.
EU fordert authentischere Kommunikation
Um Greenwashing in die Schranken zu weisen, hat die Europäische Kommission im März dieses Jahres einen Vorschlag für eine „Green Claims“-Richtlinie veröffentlicht, der zufolge
- Unternehmen ihre Umweltaussagen belegen und substanziieren müssen,
- umweltbezogene Werbung zukünftig Informationen zur Nutzung enthalten muss, um die angestrebte Umweltwirkung zu erzielen,
- Unternehmen auf dem Produkt Hinweise verfügbar machen müssen, durch die Verbraucher nähere Informationen beziehen können,
- Mitgliedstaaten verpflichtet sind, unabhängige Prüfstellen einzurichten, welche die Angaben der Unternehmen prüfen.
Der Vorschlag muss noch vom EU-Parlament und Rat bewilligt werden. Auf diesem Wege sollen Greenwashing und die teils schwerwiegenden Folgen bald der Vergangenheit angehören. Mehr dazu auch hier: https://www.noerr.com/de/insights/neue-eu-regelungen-gegen-greenwashing
Löst Greenhushing Greenwashing ab?
Mittlerweile durchleuchten NGOs aber zunehmend die Nachhaltigkeitsbestrebungen von Unternehmen. Aus Angst davor, des Greenwashings beschuldigt zu werden, haben viele Unternehmen einen Ausweg gefunden: Schweigen. In Deutschland betreibt laut Utopia ein Drittel der Unternehmen sogenanntes Greenhushing. Sie verschweigen die eigenen Nachhaltigkeitsziele und den aktuellen Fortschritt und wollen so Greenwashing-Vorwürfen vorbeugen.
„Doch wenn Firmen plötzlich nicht mehr über Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Diversität reden wollen, ist das ein alarmierendes Signal. Dies schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern der gesamten Gesellschaft“, schreibt Silvia Liebrich in einem Essay in der Süddeutschen Zeitung.
Trend kommt aus Amerika
Greenhushing ist ein Trend aus den USA, wo sich amerikanische Unternehmen laut Washington Post in einen Kampf um den Klimawandel verstrickt haben. Liberale Aktivisten haben große Unternehmen verklagt, weil sie zu wenig gegen die globale Erderwärmung unternehmen. Andere Firmen geraten ins Kreuzfeuer, weil sie den Klimawandel nutzen, um Geschäftsprofit zu erzielen. Als Reaktion darauf sind Hunderte Unternehmen verstummt. Von 1.200 großen Privatunternehmen, die sich Klimaziele gesetzt haben, hat jedes vierte davon Abstand genommen, diese zu veröffentlichen. Das geht aus dem „Net Zero Report“ 2022 des Klimaberatungsunternehmens South Pole hervor.
Go Green, then go dark?
Dass dieses Phänomen nun auch in Deutschland um sich greift, ist ein alarmierendes Signal. Durch das komplette Verschweigen von Nachhaltigkeitszielen gewinnen Kunden keine Einblicke mehr in die Fortschritte, die Unternehmen auf ihren Wegen in die Nachhaltigkeit machen. Kleinere Unternehmen verlieren Vorbilder für ihre Nachhaltigkeitsreise. Es ist ein sensibles Thema. Natürlich gibt es die schwarzen Schafe, die Sustainability nicht ernst genug nehmen und geahndet werden müssen. Das Fashion Label ASOS hat im Sommer 2022 beispielsweise das „Responsible Edit“ Angebot von seiner Seite genommen, als bekannt wurde, dass die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) Untersuchungen zu Greenwashing-Vorwürfen angekündigt hatte. Laut i News habe das Unternehmen sowohl die als nachhaltig bezeichnete Produktauswahl als auch die entsprechenden Filter noch vor der Untersuchung von seiner Website entfernt. Die Elemente verschwanden spurlos, ohne öffentliche Erklärung dieser Entscheidung. https://de.fashionnetwork.com/news/Asos-entfernt-responsible-edit-angebot-vor-greenwashing-untersuchung,1434804.html#paolina-russo
In Zeiten von Klimawandel mit zunehmenden Umweltkatastrophen gibt es für uns alle nur einen Weg: Jeder von uns muss sich engagieren und Verantwortung übernehmen. Firmen sind aufgefordert, eine authentische, transparente Nachhaltigkeitskommunikation zu betreiben. „Überwacher“ sind gefordert, mit Maß Greenwashing-, aber auch Greenhushing-Kandidaten zu ahnden.
