Ein anderer Blick auf den Gehweg
Wir laufen beinahe täglich an ihnen vorbei. Auf dem Weg zur Arbeit, zum Bäcker, zur Bahn. Die kleinen Messingplatten im Gehweg sind oft unscheinbar. Doch wer stehen bleibt und genau hinschaut, merkt schnell: Diese Steine erzählen traurige Geschichten.
Allein in Köln liegen inzwischen mehr als 3.000 Stolpersteine. Sie befinden sich nicht in Museen oder Gedenkstätten, sondern vor Wohnhäusern, Geschäften und Büros. Genau dort, wo Alltag stattfindet, machen sie Geschichte und Schicksale sichtbar.

Gemeinsam engagiert: das Forum der Stadt Köln
So war es auch beim Aktionstag des Forums „Unternehmen engagiert in Köln“. Mit Lappen, Politur und Wasser haben wir uns als Team auf den Weg gemacht, um Stolpersteine im Kölner Stadtgebiet zu reinigen. Was zunächst nach einer einfachen praktischen Aufgabe klingt, wurde schnell zu einem Moment, in dem wir uns bewusst mit den Menschen hinter den Namen beschäftigt haben. Dabei haben wir das digitale Angebot „Stolpersteine NRW“ des WDR genutzt. Es zeigt auf einer interaktiven Karte, wo Stolpersteine liegen, und erzählt die Biografien der Menschen dahinter mit Texten, Fotos, Audios und weiteren Formaten. Es sind bewegende Schicksale, die an die Schreckenszeit des Nationalsozialismus erinnern.

Zwei neue Erinnerungszeichen in der Südstadt
Ein besonders bewegender Teil des Aktionstags war die Verlegung von zwei neuen Stolpersteinen in der Kölner Südstadt. Sie erinnern an Adolf und Jenny Lindemann. Das Ehepaar wurde 1942 deportiert und im Vernichtungslager Maly Trostinec in Belarus ermordet.
Birgit Brabeck, Geschäftsführerin VOCATO: „Die Aktionswoche des Forums ‚Unternehmen engagiert in Köln‘ war auch dieses Jahr wieder ein wichtiges Ereignis. Die Projekte leisten einen wichtigen Beitrag für die Kölner Stadtgesellschaft. Mit der Stolpersteinreinigung haben wir mitgeholfen, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten.“
CSR heißt: Verantwortung übernehmen
Corporate Social Responsibility bedeutet, Verantwortung nicht nur zu behaupten, sondern sie im Alltag zu zeigen. Unternehmen sind Teil der Gesellschaft. Sie können sich dort einbringen, wo Unterstützung nötig ist, mit Zeit, Aufmerksamkeit und konkretem Engagement.
Die Stolpersteinreinigung zeigt, wie niedrigschwellig und zugleich wirkungsvoll CSR sein kann. Und gerade heute braucht es solche sichtbaren Erinnerungszeichen. Denn Ausgrenzung, Hetze und Antisemitismus sind wieder präsent. Stolpersteine erinnern daran, wohin Menschenverachtung führen kann. Sie laden dazu ein, hinzusehen und sich mit der Geschichte vor der eigenen Haustür auseinanderzusetzen.
