ChatGPT in der PR-Arbeit nutzen

Mein Selbstversuch mit der KI

Das Jahr 2023 startete mit einer kleinen Revolution: ChatGPT zog in viele Unternehmen ein und veränderte den Arbeitsalltag der Beschäftigten. Die Arbeitserleichterung durch die KI brachte positive Stimmen, aber auch Skepsis und Sorgen um Kontrollverlust und Arbeitsplätze hervor. Doch was kann ChatGPT wirklich? Um das für die PR-Arbeit herauszufinden, habe ich einen Selbsttest mit dem Tool gestartet.

Nach dem Selbstversuch war ich – trotz des ein oder anderen Fehlschlages – sehr erstaunt darüber, was die KI zum jetzigen Zeitpunkt schon leisten kann.

ChatGPT: Meine neue Kollegin in der PR-Agentur?

Was kann die KI und was (noch) nicht? Ich habe ChatGPT einige typische Aufgaben aus dem PR-Alltag übernehmen lassen:

  • Die erste Aufgabe war das Verfassen eines Textes. Ich bat ChatGPT, mir einen Artikel auf Basis von vier Stichpunkten zu schreiben. Das Ergebnis war ein fast 4.000 Zeichen langer, ordentlich aufgebauter Artikel. Lediglich Zwischenüberschriften haben gefehlt. Und, Achtung: ChatGPT trifft Aussagen oder beruft sich beispielsweise auf Studien, ohne diese genau zu verifizieren oder (überhaupt) Quellen zu nennen.
  • Das Zusammenfassen von Texten und die Umwandlung in eine andere Textart erledigte ChatGPT problemlos. Es kam jedoch auch einmal vor, dass eine Zusammenfassung eines Textes entstand, der im Chat niemals vorkam.
  • Beim Verfassen von Mails musste ich – selbstverständlich – ChatGPT sehr präzise Anweisungen geben: Wer ist der Empfänger der Mail und in welchem Verhältnis stehe ich zu ihm? Welche Informationen will ich vermitteln und welche benötige ich vom Empfänger? Aus diesen Informationen formulierte die KI eine sehr förmliche und umfangreiche Mail. Neben meinem Input für die Mail fügte der Chatbot allerdings weitere Informationen, wie einen Treffpunkt, hinzu. Selten tauchten auch wörtlich übersetzte englische Formulierungen auf.
  • Social Media Posts verfasste die KI, ohne weitere Aufforderung, mit passenden Hashtags. Die Varianz der Posts ließ dabei allerdings zu wünschen übrig.
  • Auf Schwierigkeiten stieß ich beim Kürzen von Texten. Die KI überschritt nicht nur die von mir vorgegebene Zeichenzahl um nahezu 100 Prozent, sondern gab die Antwort plötzlich auf Englisch.
  • Auf die Anfrage (Zwischen-)Überschriften zu entwerfen, erhielt ich zwar viele, aber unkreative Lösungen. Teilweise waren die Überschriften, trotz Bitte um kurze Vorschläge, recht lang.
  • Das Redigieren von Texten brachte uneinheitliche Ergebnisse hervor. Mal trennte die KI Sätze zur leichteren Lesbarkeit, mal formulierte sie lange komplizierte Sätze. Die redigierten Sätze waren außerdem nicht immer besser formuliert als das Original.
  • Textkorrekturen verschiedener Art konnte ChatGPT leisten. Allerdings kam es hierbei auch schnell zu Sinnveränderungen. ChatGPT korrigierte den Satz „Er geht zum Haus und stand da“ zu „Er geht zum Haus und bleibt dort stehen“. Den Unterschied zwischen „stehen“ und „stehen bleiben“ hat die KI nicht berücksichtigt.
  • Das Übersetzen von Texten funktionierte vom Deutschen ins Englische besser als andersherum.
  • Ausgegebene Keywords für die Suchmaschinenoptimierung waren sehr allgemein, verbesserten sich aber durch die zusätzliche Information „SEO“. Allerdings gab die KI zuweilen auch Suchbegriffe aus, die nicht auf den eingegebenen Text bezogen waren.

Außerdem nicht zu vergessen: ChatGPT ist keine Suchmaschine und kann nicht auf das Wissen des Internets zugreifen. Sein Wissenstand bezieht sich auf das Jahr 2021 – es weiß beispielsweise nicht, dass Olaf Scholz Bundeskanzler von Deutschland ist.

Präziser Input liefert guten Output

Im Umgang mit ChatGPT ist mir besonders aufgefallen, wie wichtig es ist, Fragen einfach, aber doch präzise und detailreich zu stellen. Ihr solltet die KI nicht einfach nach einem Text fragen. Fragt stattdessen beispielsweise nach einem 3.000 Zeichen langen Interview für ein Fachmedium, welches das Thema X behandelt. Nicht ohne Grund hat sich bereits jetzt der Beruf des KI-Prompters etabliert. Dieser sorgt durch präzise Anweisungen dafür, dass sich die Antworten der KI stetig verbessern. Somit wird der Output immer mehr auf die Anfragen des Benutzers zugeschnitten und optimiert.

ChatGPT und Vertraulichkeit

Bei der detaillierten Eingabe solltet ihr jedoch beachten, dass Open AI alle eingegebenen Daten speichert. Es gibt Fälle, in denen ihr der KI deshalb nicht alle nötigen Informationen für einen Text zur Verfügung stellen könnt. Schreibt ihr beispielsweise eine Pressemitteilung mit Informationen, die der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind, solltet ihr diese keinesfalls in ChatGPT eingeben, wenn Vertraulichkeitsvereinbarungen mit den Kunden bestehen.

Meine Erfahrungen mit der KI

ChatGPT ist durch seine einfache Handhabung und die schnelle Ausgabe von Informationen und Texten eine gute Hilfe im PR-Alltag. Im Umgang mit der KI ist jedoch unbedingt auf eine präzise und zielgerichtete Fragestellung zu achten und auch eine Prüfung der Ergebnisse ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unerlässlich.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Auch wenn die Anwendung (noch) keine sprachlichen Feinheiten draufhat, kann sie doch rasend schnell einen Text erstellen und zu einem Thema die gängigsten Argumente zusammentragen. Allerdings: Alle User bekommen natürlich mehr oder weniger das Gleiche serviert. Sollten also künftig viele Menschen ChatGPT für die Texterstellung nutzen, kann das zur Folge haben, dass sich redaktionelle Inhalte und PR- Content stärker gleichen werden.

Zum Glück ist Unternehmenskommunikation aber nicht nur Texterstellung. Strategische Beratung und die Fähigkeit, das Einzigartige an einem Unternehmen oder einer Sache herauszuarbeiten und zu vermitteln, die Einschätzungen im Gesamtzusammenhang oder persönliche Medienkontakte – all dies sind nur einige Beispiele für das, was die KI häufig nicht leisten kann. ChatGPT wird zukünftig sicherlich ein fester Bestandteil der PR im redaktionellen Bereich werden. Deshalb sollten wir uns so früh wie möglich damit beschäftigen und in Weiterbildungen den richtigen und effektiven Umgang mit dem Tool erlernen. Nur so kann die KI uns in der PR unterstützen und wir können gewinnbringend mit ihr arbeiten.

* Zur Vereinfachung benutzen wir in unseren Texten die gängige männliche Form. Sämtliche Diversitäten und Identitäten sind natürlich ebenfalls angesprochen.

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