Interview mit PR-Beraterin Jessica Auweiler

Spannend, facettenreich und herausfordernd – das ist die PR-Branche. In unserem letzten Beitrag habt ihr erfahren, wie der Einstieg in dieses Berufsfeld ablaufen kann. Aber mal anders gefragt: Was sollten Neulinge für den Beruf als PR-Berater mitbringen und welche Kompetenzen sollte man für die Arbeit in der PR haben? Und wird der Beruf nach einigen Jahren langweilig?

Neugierig wie ich als wissbegierige Volontärin bin, bin ich mit diesen Fragen zu meiner Kollegin und Büronachbarin Jessica gegangen – sie ist schon viele Jahre PR-Beraterin, sozusagen ein „alter Hase“ mit viel Berufserfahrung. Sie hat mir Rede und Antwort gestanden.

Du bist seit 2004 bei VOCATO. Wie bist du zur PR gekommen und wie ist dir der Einstieg in die Branche gelungen?

Den Einstieg in die PR habe ich klassisch durch ein Volontariat geschafft. Vorher habe ich neben meinem Studium der Germanistik und des Zivilrechts auch erste praktische Erfahrungen durch Praktika gesammelt. Diese ersten Kenntnisse waren essenziell, sie haben mich zum Volontariat gebracht – und mir die Tür in die PR-Welt geöffnet.

Warum hast du dich für die PR-Branche entschieden?

Wie so viele wollte ich schon immer „etwas mit Medien“ machen. Daher habe ich neben meinem Studium Praktika in Pressestellen und Agenturen, aber auch im Hörfunk und TV gemacht. Ich habe dabei gemerkt, dass mein größtes Interesse der PR gilt – denn sie ist Schnittstelle zwischen Unternehmen und Journalisten. So konnte ich meine Interessen perfekt miteinander vereinen.

Würdest du ein bestimmtes Studium/eine bestimme Ausbildung für den Einstieg empfehlen?

Generell ist eine sprachliche Affinität wichtiger als der Studiengang. Sicherlich kann ein PR- oder Kommunikationsstudium als Basis für die PR-Welt hilfreich sein. Aber früher gab es das gar nicht und ich denke, auch Quereinsteiger wie Naturwissenschaftler können damals wie heute in die PR einsteigen. Wenn das Studium einen fachlichen Bezug zu dem Unternehmen hat, für das man später als PR-Berater arbeitet, dann kann ein naturwissenschaftlicher Hintergrund sogar von Vorteil sein. Zum Beispiel bringt ein Medizin- oder Chemiestudent mit guten sprachlichen Kompetenzen das nötige Wissen mit, um PR für diese Themenbereiche zu machen. Generell sollte man aber die Gabe und die Motivation mitbringen, sich tief und umfassend in neue Themenbereiche einzuarbeiten.

Welche Kompetenzen sollte deiner Meinung nach jemand mitbringen, der in die PR einsteigen will? Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten PR-Berater aus?

Neben der sprachlichen Affinität ist es natürlich wichtig, dass man gut schreiben kann. Das bedeutet, dass man Texte interessant und gleichzeitig sachlich formulieren kann. Zudem sollte man in der Lage sein, komplizierte Dinge verständlich auszudrücken. Auch eine strukturierte Arbeitsweise sowie Organisationstalent sind wichtig. Der PR-Alltag kann ganz schön stressig sein, vor allem wenn mehrere Anfragen gleichzeitig reinkommen – dann muss man in der Lage sein, das Gesamtbild im Blick zu behalten und Prioritäten setzen können.

Abgesehen davon muss man mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten zurechtkommen. Damit verbunden ist auch die Fähigkeit, zu erfassen, welcher Kunde oder Ansprechpartner worauf Wert legt. Gute kommunikative Kompetenzen beim Umgang mit Kunden sind daher besonders wichtig. So ist es manchmal auch erforderlich einem Kunden zu sagen, wenn etwas nicht gut ist oder in die falsche Richtung läuft. Dazu gehört einfach Fingerspitzengefühl.

Wie ist deine Einschätzung: Ist der Einstieg in die PR-Branche heutzutage leichter oder schwerer als früher?

Inzwischen ist es sicherlich leichter, sich in der PR-Welt zurecht zu finden. Einerseits wachsen die heutigen Volontäre schon mit einer größeren Medienaffinität auf – der Umgang mit Medien fällt daher leichter. Andererseits gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Studiengängen und Fortbildungsmöglichkeiten, die es damals noch nicht gab. Diese geben einen detaillierteren Einblick in die PR-Arbeit als beispielsweise ein Germanistikstudium. Mich zum Beispiel hat die Fähigkeit, mittelhochdeutsche Texte zu übersetzen, im beruflichen Alltag nicht weitergebracht. 😉 Prinzipiell gilt aber auch heute: Praktische Erfahrung ist unersetzlich, denn der Einstieg klappt heute ebenso wie damals am besten durch Praktika und ein Volontariat.

Hat sich die PR-Welt im Vergleich zu früher gewandelt? Haben sich die Aufgaben und Anforderungen in der PR-Branche geändert?

Die PR-Branche ist heute noch vielschichtiger als früher – vor allem durch die Social-Media-Welt. Auf der einen Seite gibt es auf jeden Fall eine Verschiebung von Print- zu Online-Medien. Neben den klassischen Textarbeiten wie Pressemitteilung und Fachartikel sind auch neue Textformate wie Blogs dazugekommen. Andererseits gibt es in der PR heute zusätzliche Tätigkeitsfelder wie die Suchmaschinenoptimierung (SEO) von Website-Texten oder Podcasts. Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass PR und Marketing zunehmend miteinander verschmelzen – manchmal ist es schwierig hier noch Abgrenzungen zu finden.

Insgesamt hat sich auch das Bewusstsein für den Wert von PR bei den Unternehmen erhöht. Vor allem im Zuge von Social Media ist vielen bewusst, dass sich News schneller verbreiten und unterschiedlich gewichtet werden können. Als PR-Berater ist es daher wichtig, immer am Ball zu bleiben und offen gegenüber neuen Trends zu sein.

Heutzutage gibt es zudem neue Arbeitsmöglichkeiten wie Arbeiten in der Cloud, E-Mails oder Apps zum schnellen Produzieren von Inhalten – damit wird in der PR alles immer schneller. Das ist eine enorme – nicht immer positive – Veränderung.

Was macht dir an deiner Arbeit/an der Arbeit in der Branche am meisten Spaß?

Die Arbeit als PR-Berater ist sehr abwechslungsreich. Ich mag vor allem die Vielfältigkeit an Kunden und Projekten: Jeder Kunde ist individuell und auch die Aufgaben variieren stetig – so gibt es immer wieder etwas anderes zu erledigen. Außerdem muss man sich immer wieder in neue Themenbereich einarbeiten. So erweitert sich der Horizont ständig und es wird nie langweilig! Als PR-Berater lernt man nie aus und es gibt immer wieder neue Dinge und Herausforderungen – das ist das Schöne an diesem Beruf.

Viele nutzen das Volontariat als Sprungbrett und wechseln danach in Unternehmen. Du bist noch immer in der Agentur – was hat dich hier gehalten? Hast du es mal in Erwägung gezogen, auch in ein Unternehmen zu wechseln?

Klar, ich habe auch mal in Erwägung gezogen, in ein Unternehmen zu wechseln. Was mich letztlich hier gehalten hat, sind einerseits die spannenden und netten Kunden. Meine Arbeit ist durch die Vielfalt an Projekten immer abwechslungsreich geblieben. Andererseits hatte ich hier immer ein nettes Team mit super Kollegen um mich herum – hier fühle ich mich wohl. Darüber hinaus hat mir die Agentur eine passende, flexible Teilzeit ermöglicht, mit der ich Beruf und Familie gut miteinander verbinden kann.

Was würdest du PR-Neulingen abschließend mit auf den Weg geben?

Wenn jemand in den PR-Bereich möchte, dann würde ich als Einstieg immer eine Agentur wählen. Die Agentur-Arbeit bietet eine Vielfalt an Kunden und Projekten, sodass man gut die Komplexität der PR kennenlernen und sich gut ausprobieren kann. So hat man ein solides Fundament, mit dem man danach natürlich auch in ein Unternehmen gehen kann.

Zudem: Es kann nie schaden, im Vorfeld Praktika im Medien-Bereich zu machen. Zu schauen, wie es in einer Zeitschriften- oder TV-Redaktion läuft, hilft bei der Arbeit als PR-Berater. So lernt man die andere Seite kennen und bekommt ein Verständnis für die Arbeitsweise.

Vielen Dank für das Interview, liebe Jessica! 😊

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