KI und Automatisierung in der PR – alles nur Zukunftsmusik?

Wie weit die Branche gekommen ist

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind Begriffe, die mittlerweile in vielen Bereichen anzutreffen sind. Vor allem im industriellen Umfeld ist der Einsatz von KI weit gefasst: selbstfahrende Autos und Roboter sind heute keine futuristischen Konzepte mehr. Auch Automatisierung ist fest in Alltag und Industrie verankert.

Doch wie sieht es mit dem professionellen Einsatz in der Medienbranche aus? Nutzen PR-Leute, Journalisten und Medienhäuser bereits KI und/oder Automatisierungssoftware? Und wenn ja, wie weit ist die Medienbranche bereits; wo kommt die Technologie beispielsweise zum Einsatz?

KI und Automatisierung – zwei verschiedene Paar Schuhe

Häufig werden die beiden Begriffe Künstliche Intelligenz und Automatisierung fälschlicherweise gleichgesetzt. Dabei unterscheiden sie sich in einem wesentlichen Aspekt: der Fähigkeit, zu lernen. Automatisierungssoftware ist dazu da, Aufgaben und Muster, die sich häufig wiederholen, selbstständig auszuführen – sie tut also nur das, wozu sie vorher programmiert wurde. KI ist es hingegen möglich, aus gesammelten Daten und Erfahrungen zu lernen, sich weiterzuentwickeln und stetig zu verbessern.

Einsatz in der PR noch in den Kinderschuhen

Die PR-Branche steht bei der Nutzung von KI bisher noch am Anfang ihrer Reise. Laut dem Trendreport von news aktuell nutzten im Jahr 2020 gerade mal neun Prozent der Pressestellen und PR-Agenturen KI, Machine Learning und Big Data zur Analyse und Steuerung von Kommunikation. Im Bereich der Textproduktion kam KI nur bei fünf Prozent zum Einsatz. Und das, obwohl schon 2020 das Thema Künstliche Intelligenz kein neuer Trend mehr war. Anders sieht es bei Tools zur Automatisierung aus. Diese nutzten bereits fast ein Viertel (24 Prozent) der Befragten für Mediamonitoring, Medien- und Datenanalysen oder Übersetzungstools.

Paradebeispiel Verlagswesen

Ein Bereich der Medienbranche, der in dem Thema schon weiter ist, ist das Verlagswesen. Verlage wie FAZ, Die Welt oder die Rheinische Post nutzen KI- und Automatisierungstools im täglichen Doing. Einsatzszenarien reichen von der Text- und Videoerstellung bis hin zum Community Management in den sozialen Netzwerken. Die BBC News entwickelt sogar selbst Softwarelösungen, die unter anderem Comics aus journalistischen Texten generieren können.

Ein Blick in die Praxis

  • KI-gestützte Texterstellung: Mit Hilfe von Datensätzen, wie zum Beispiel Wahlergebnissen oder aktuelle Corona-Infektionszahlen, lassen sich komplette Texte generieren. Die Wahlbehörde oder das RKI sammeln und bereiten die Daten auf. Diese nutzt die Software, um eine vorher geschriebene Textvorlage selbstständig zu aktualisieren. Auch Pressemitteilungen lassen sich in Artikel und SEO-relevanten Content umwandeln. Eine KI-Software formuliert den Text dazu selbstständig um und kann ihn sogar mit Zusatzinfos aus anderen Quellen ergänzen. Diese muss vorher natürlich ein Redakteur prüfen.
  • Community Management: Die Social-Media-Followerzahl großer Unternehmen ist beachtlich – entsprechend groß ist die Anzahl an Kommentaren, die es auf problematische Inhalte zu überprüfen gilt. Menschen kommen dabei schnell an ihre Grenzen. Ein KI-Assistent kann Abhilfe schaffen, indem er Hasskommentare ausfindig macht und selbstständig entfernt. Dennoch kann die Maschine nicht alles übernehmen. Bei uneindeutigen Kommentaren oder Kommentaren, die z.B. ironisch oder gehässig sind, muss der Mitarbeiter selbst den Inhalt überprüfen.
  • PR-Reporting: KI-gesteuerte und automatisierte PR Reports helfen dabei, die Wirksamkeit von Kommunikationsmaßnahmen zu erfassen. Wie oft wurde über eine Marke, ein Produkt oder ein Thema berichtet – und vor allem in welcher Tonalität? Jeden Artikel einzeln zu prüfen, ist nicht nötig. Die KI erkennt selbst, ob er positiv, negativ oder neutral ist. Auch die eigene Reichweite in den sozialen Medien oder Themen, die gerade im Trend liegen, kann die Software erfassen. All das lässt sich vollautomatisiert in einer Übersicht zusammentragen.
  • Krisenkommunikation: Wenn es einen Notfall gibt, gilt es schnell zu handeln. Um sofort Maßnahmen ergreifen zu können, müssen alle Beteiligten zügig alarmiert werden – das Abtelefonieren jeder einzelnen Person dauert zu lange. Eine Automatisierungssoftware alarmiert alle Mitglieder des Krisenstabs eigenständig – egal ob per Anruf, SMS oder E-Mail. Zusätzliche Conferencing-Funktionen erleichtern zudem die Kommunikation untereinander, sodass die Krise schnell unter Kontrolle gebracht wird.

KI und Automatisierung bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten, entlasten Mitarbeiter und verschaffen PR-Leuten und Journalisten mehr Zeit für kreativ schöpferisches Arbeiten. Der Anfang ist zwar gemacht, noch gibt es aber ungenutztes Potential. Mit dem anhaltenden technischen Fortschritt wird das Thema sicherlich in vielen weiteren Agenturen Einzug halten. Doch schon jetzt sollte die PR-Branche vorhandene Möglichkeiten nutzen und möglichst früh auf den Zug aufspringen.

Mehr zum Thema Krisenkommunikation hier:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s